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BVBK - Ein Blick zurück...

 


Die Geschichte der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler von Prof. J.K. Mohorko BV Katalog der Jubiläumsausstellung Wien/NÖ/Bgld. November 1978

Der heutigen Künstlergeneration ist kaum noch bewusst, dass die Wurzeln der Berufsvereinigung weit in eine Zeit zurückreichen, die für uns nur noch Legende ist - in jene Jahre vor dem ersten Weltkrieg, da Wien noch eine Kaiserstadt und die Welt noch heil gewesen ist.

Am 27. November 1912 konstituierte sich im Wiener Künstlerhaus die Berufsvereinigung als Zentralverband der Bildenden Künstler. Zum ersten Präsidenten wurde der bekannte Maler und k.u.k. Professor Hugo DARNAUT bestellt, als Stellvertreter fungierte Prof. Hans RANZONI.

Durch die nächsten drei Jahrzehnte lautete die Adresse immer: Wien 1, Karlsplatz 5.
Berühmte Namen haben den langen Weg der Berufsvereinigung durch die vergangenen Jahre begleitet. Neben den schon erwähnten Darnaut und Ranzoni leuchten uns aus den Aufzeichnungen Künstlerpersönlichkeiten entgegen, die seither zu Begriffen in der Kunstgeschichte geworden sind: Albert JANESCH, Igo PÖTSCH, Rudolf EISENMENGER und Wilhelm DACHAUER waren mit uns ebenso verbunden wie die Rektoren der Akademien, Robin C. ANDERSEN und Max FELLERER oder Prof. Viktor SLAMA, Prof. Otto PRUTSCHER und die Architekten THEISS und JAKSCH.

Die rechtlichen Interessen der damaligen Berufsvereinigung betreute zeitweise der weithin bekannte Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Richard PRESSBURGER.
Alfred KUBIN, der Bildhauer AMBROSI und der Maler und Akademieprofessor FAHRINGER sind ebenso zu nennen wie Ernst FUCHS, der mit Kurt MOLDOVAN, Carlos RIEFEL und anderen in den Jahren nach 1945 der BV angehört hatte.
Mit der 1938 erfolgten Eingliederung aller bildenden Künstler in die Reichskulturkammer war das formelle Ende auch der Berufsvereinigung als selbstständigem Verband gekommen.

Als 7 Jahre später der Waffenlärm in Wien verebbte, regten sich, kaum dass sich die Staubwolken der Zerstörung gesenkt hatten, die schöpferischen Kräfte wieder und stellten sich spontan dem Wiederaufbau zur Verfügung. Ein Großteil der Ateliers und der Ausstellungsräume lag in Trümmern oder war total ausgeplündert, es gab weder Farben noch Leinwand. In dieser Notzeit erinnerte man sich wieder der alten Berufsvereinigung und schloss sich neuerlich unter dieser Bezeichnung zusammen.

Bereits im Mai und Juni 1945 konnten die ersten Mitgliedsausweise ausgestellt werden.
Wenn man auch zunächst immer noch an der alten Adresse am Karlsplatz 5 behelfsmäßig amtieren konnte, sah sich doch die Leitung der neu entstandenen Vereinigung vor die Notwendigkeit gestellt, eine andere Unterkunft zu suchen. Eine solche fand sich im Gebäude des Franziskanerklosters in der Inneren Stadt, am Franziskanerplatz 4. Namens der BV verhandelte Architekt Hans RÖSSLER mit dem Franziskanerkonvent, und am 29. Oktober 1945 kam ein auf die Dauer von 3 Jahren geschlossener Vertrag zustande wonach die Berufsvereinigung für ihre Zwecke 3 Zimmer, 1 Kabinett und 21 Zellen zur Verfügung gestellt wurden. Für die erforderliche Adaptierung der Räume leistete der Konvent einen Kostenzuschuss und stellte sogar ein ganzes Jahr mitzinsfrei. Damit war zunächst die Unterbringung und ein regulärer Bürobetrieb gesichert. Unter dem ersten Nachkriegs-Präsidenten Prof. Karl STEMOLAK wurde der Franziskanerplatz 4 bald zur frequentierten Sammelstelle der neu erwachten künstlerischen Kräfte.

Die nächste Sorge galt der Materialbeschaffung. Infolge der Verhältnisse waren Farben, Malmittel und Pinsel Mangelware.
Dank einer Spende des British Council und des Canadian Council konnte wenigstens ein Teil des Bedarfs gedeckt werden. Eine neu geschaffene Künstlergenossenschaft sorgte für die Zuteilung aller möglichen Arten von Arbeitsmaterialien. Mancher ältere Kollege wird sich noch an die Ausgabestelle beim Schillerplatz, unmittelbar neben der ehemaligen Kunsthandlung Halm& Goldmann, erinnern können.

Eine weitere bedeutsame Funktion kam der BV mit der Verteilung von Lebensmittel-Zusatzkarten, den so genannten Schwerarbeiterkarten zu, die sie im Einvernehmen mit der Kartenstelle der Gemeinde Wien von 1946 bis 1948 an ihre Mitglieder ausgeben durfte.
Mit der langsamen Konsolidierung der Verhältnisse wuchs begreiflicherweise das Verlangen nach Ausstellungsmöglichkeiten. So wurden Verhandlungen mit den Besatzungsmächten wegen der Planung von Ausstellungen und der damit verbundenen Kunsttransporte aufgenommen, was wegen der geltenden Zonengrenzen oft eine komplizierte Angelegenheit gewesen ist.

Von 1945 bis 1947 hatte die Berufsvereinigung einen Chauffeur und einen Hilfsarbeiter angestellt, deren Aufgabe es war, die Bildertransporte mittels eigens angefertigter Spezialkisten durchzuführen. Ein kleines Detail am Rande möge die absonderlichen Verhältnisse jener Jahre illustrieren: Auf Grund einer von einer Militärmacht ausgestellten Bewilligung durfte außerdem ein Fahrrad "ohne Motor" verwendet werden!
Ungeachtet aller Schwierigkeiten beteiligte sich die Berufsvereinigung schon 1946 an verschiedenen Auslandsausstellungen, beispielsweise in Griechenland.
Ein Jahr später fand im Wiener Künstlerhaus die erste große österreichische Kunstausstellung statt, an der die BV mit 752 ausgestellten Werken ihrer Mitglieder einen erheblichen Anteil hatte.

Die Eröffnung am 27. Juni 1947 nahm der damalige Bundespräsident Dr. Karl RENNER vor, der in Begleitung von Bundeskanzler Ing. Leopold FIGL, Unterrichtsminister Dr. Felix HURDES, Bürgermeister Theodor KÖRNER und des Präsidenten des Nationalrates Leopold KUNSCHAK gekommen war. An der Eröffnungsfeier nahmen auch Vertreter der alliierten Besatzungsmächte teil. Die musikalische Umrahmung besorgten die Wiener Philharmoniker.

Wie groß das allgemeine Kunstinteresse, ja die Kunstbegeisterung in jenen Jahren nach dem Krieg gewesen ist, zeigen ein paar Zahlen:
Die bis zum Oktober geöffnete Ausstellung wurde von 61.567 Besuchern aufgesucht (Eintritt S 2,-) mehr als 11.000 Kataloge wurden zu einem Preis von S 5,- ausgegeben. Zeitweise versahen 19 Aufseher Dienst in den Sälen. In den zwei zugehörigen Ausstellungsgärten fand täglich ein 5-Uhr-Tee statt. An manchen Tagen sind mehr als 600 Kataloge verkauft worden. Im Zusammenhang mit dieser Ausstellung erhielt Prof. Wilhelm KAUFMANN den staatlichen Preis für Malerei, der Kunstgewerbepreis wurde Arch. Prof. Otto PRUTSCHER zuerkannt. Außerdem gab es als Auszeichnungen zahlreiche Medaillen.
Die österreichische Postverwaltung brachte aus dem gleichen Anlass zugunsten der bildenden Künstler eine Sonderbriefmarken-Serie "Berühmte Österreicher" heraus, nach Entwürfen von Ernst SCHROM. Allein im Rahmen der Ausstellung sind über 3600 Schmuckblätter mit dieser Markenserie verkauft worden.

Stets hatte die Leitung der Berufsvereinigung aber auch die sozialen Belange der ihr angehörenden Mitglieder im Auge. So gelang es im Juni 1946 mit Heinrich Baron HAMMER-PURGSTALL ein Abkommen zu schließen, wonach dieser in seinem Schloss Hainfeld bei Feldbach gegen eine Monatsmiete von 500 Schilling insgesamt 22 Räume für erholungssuchende Künstler bereitstellte. Das Einglasen der Fenster besorgte der Schlossherr auf eigene Kosten. Als Bedienungspersonal standen 1 Verwalter, 1 Köchin und 2 Mädchen zur Verfügung. Obwohl der Vertrag eine Laufzeit von 5 Jahren vorsah und dieses steirische Urlaubsheim sich großer Beliebtheit erfreute, erzwangen die auflaufenden Selbstkosten im Herbst 1948 eine vorzeitige Beendigung des Abkommens.
Auch für die Wintersport treibenden Künstler hatte die Berufsvereinigung gesorgt und am Watschberg im Oberpinzgau eine Sennhütte mit 8 Betten gemietet. In der Saison 1946/47 wurden auch 21m3 Brennholz bei der Hütte gelagert. Ein Mädchen für die Reinigung und als Kochhilfe erhielt monatlich 80 Schilling. Zur Verbesserung des Wärmeschutzes ließ die Vereinsleitung an der Hütte doppelte Fenster und Türen anbringen.

Leider erfüllte sich die Hoffnung, am Franziskanerplatz eine dauernde Bleibe gefunden zu haben, nicht. Noch vor Ablauf des Vertrages kündigte der Konvent auf Weisung des höchsten Ordensoberen in Rom die der Berufsvereinigung vermieteten Räume wegen Eigenbedarf. Zwar gelang es noch eine Verlängerung der Räumungsfrist bis Ende Oktober 1949 zu erwirken, aber die Suche nach einer definitiven Unterkunft war neuerdings zu einem dringlichen Problem geworden.

In dieser Situation trat das Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau wie ein rettender Engel auf den Plan.
Durch einen Erlass vom 31. Juni 1948 wurden der Berufsvereinigung eine Anzahl von Räumlichkeiten im Schloss Schönbrunn zugewiesen. Dieses Datum eröffnete ein neues Kapitel in der Geschichte der BV. Die uns zur Verfügung gestellten Räume lagen im bombengeschädigten Osttrakt des Hauptgebäudes, direkt über der großen Galerie. In dankenswerter Weise übernahm das Ministerium für Handel und Wiederaufbau die Kosten in der Höhe von etwa 20.000 Schilling für die Wiederherstellung der beschädigten Fußböden und die Erneuerung der zum Teil fehlenden Fenster und Türen. Am 27.11.1949 wurde zwischen der Schlosshauptmannschaft Schönbrunn und der Berufsvereinigung ein formeller Mietvertrag geschlossen, der mit Wirkung vom 1.12.1949 in Kraft trat.
Die Miete für die benützen Räume betrug zu diesem Zeitpunkt 91 Schilling und 69 Groschen.

Damals erfolgte der Zugang von der Kapellenstiege.
Anfang Dezember 1949 gaben sowohl die RAV AG. Als auch der Sender ROT-WEISS-ROT und die APA in gleichlautenden Verlautbarungen die Übersiedlung der Berufsvereinigung an die neue Adresse im Schloss Schönbrunn bekannt.

Damit war die Frage einer repräsentativen Geschäftsstelle in mehr als befriedigender Weise gelöst, und die Leitung der Vereinigung konnte sich einem anderen dringlichen Problem, nämlich der Beschaffung von Ausstellungsraum, zuwenden.
Im Oktober 1950 trat man mit dem regierenden Fürsten von Lichtenstein in Verbindung, was dazu führte, dass die Berufsvereinigung im Palais Lichtenstein die Säle IV,V,VI und VII für Ausstellungszwecke erhielt, worin für die BV die Berechtigung eingeschlossen war, diese Räume sowohl für eigene Ausstellungen zu benützen, als auch an andere Veranstalter weiter zu vermieten. Beispielsweise fand in diesen der Berufsvereinigung gehörenden Räumen im März 1951 die große Ausstellung "Polnische Volkskunst" der Österreichisch-Polnischen Gesellschaft statt.

In dem Übereinkommen mit dem Hause Lichtenstein schien auch genau auf, wie das Aufsichtspersonal zu entlohnen war. Danach bekam ein Aufseher für den normalen Wochendienst 6 Schilling, für den Dienst an Samstagen 9 Schilling und an Sonntagen 12 Schilling je Stunde.

1950 war die alte Berufsvereinigung in einen Landesverband für Wien, Niederösterreich und Burgenland umgewandelt und zusammen mit den anderen Landesverbänden in den neu gebildeten Zentralverband der Berufsvereinigung (BVZ) eingegliedert worden.
Interessant ist, dass die Vereinigung bis dahin, d.h. seit den Tagen am Franziskanerplatz, im Untertitel die zusätzliche Bezeichnung "Kammer der bildenden Künstler" geführt hatte.
Der Mitgliederstand 1950 wies 2231 bildende Künstler aller Sparten auf. Damals gab es, ebenso wie 1972, Bestrebungen, aus Gründen des Berufsschutzes eine Künstlerkammer einzurichten, was aber in beiden Fällen zu keinem Resultat geführt hatte.

Im Jahre 1950 erhielt die Berufsvereinigung im Amtswege die gesamten Personaldaten jener Künstler zur treuhändigen Verwahrung, die seinerzeit bei der Reichskammer in Wien geführt worden waren. Heute bilden diese Akten wichtige Unterlagen bei Fragen der Pensionsversicherung von Mitgliedern.

Dem Ausstellungsbedürfnis und der Ausstellungstätigkeit als fundamentale Lebensäußerung der freischaffenden bildenden Künstler hat die BV im Rahmen der Möglichkeit stets besondere Aufmerksamkeit zugewendet und auf diese Weise von Zeit zu Zeit eine Visitenkarte abgegeben. 1965 konnte in der Österreichischen Staatsdruckerei in der Wollzeile eine ansehnliche Verkaufsausstellung eingerichtet werden. Über eine vom Bundeskanzleramt ausgehende Einladung veranstaltete die Berufsvereinigung 1968 in den Räumlichkeiten des Österreichischen Staatsarchivs in der Wallnerstrasse mit großem Erfolg eine repräsentative Ausstellung der ihr angehörigen Mitglieder.

Schließlich führten Verhandlungen mit der Schlosshauptmannschaft Schönbrunn dazu, dass der BV das im Parterre des Schlosses gartenseitig gelegene "Kronprinzen-Appartement" für fallweise Ausstellungen zur Verfügung gestellt wurde.
In der Folge fanden hier wiederholt Frühjahrs- und Herbstausstellungen statt, darunter die große Graphik-Ausstellung des Jahres 1972 im Rahmen der Wiener Festwochen.
1973 führte die Sektion der Restauratoren innerhalb der Berufsvereinigung in diesen Räumen die bemerkenswerte Ausstellung "RETTUNG VON KUNSTWERKEN" durch, die sowohl durch die Zahl der kostbaren Exponate als durch den hiezu herausgegebenen Fachkatalog internationale Anerkennung fand.
Dank einem besonderen Entgegenkommen der Bezirksvorstehung Innere Stadt bzw. des dortigen Bezirksmuseums konnte in den letzten Jahren die Bürgerstube im Alten Rathaus in der Wipplingerstrasse mehrmals für Ausstellungsvorhaben der BV benützt werden.
Da wegen anderweitigen Verwendungen bzw. wegen Restaurierungsarbeiten derzeit weder diese Bürgerstube noch das Schloss Schönbrunn zur Verfügung stehen, zählt die Frage einer ständigen Ausstellungsmöglichkeit nach wie vor zu jenen offenen Problemen, um deren Lösung die Leitung der Berufsvereinigung seit längerem intensiv bemüht ist.
Dabei darf nicht übersehen werden, dass es über die ureigentlichen künstlerischen Anliegen hinaus für eine Standesvertretung dieser Größenordnung eine ganze Reihe von Aufgaben gibt, die in die sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen, aber auch tief in die humanen Belange hineinreichen.

So sind bereits in der Ära STEMOLAK wesentliche Initiativen hinsichtlich einer Urheber-Union gesetzt worden. In die Ära KRONIK fällt die Einrichtung einer Spruchkommission im Unterrichtsministerium, die die Voraussetzungen von Bewerbern für die Anmeldung zur Künstler-Sozialversicherung zu prüfen hatte.

Auf Betreiben der BV war damals auch die Zahl der anerkannten Kunstschulen wesentlich erhöht worden. In der Ära GRAND wurden wichtige Grundsteine Für die Bildung einer umfassenden Künstler-Union sowie für den Gedanken einer spezifischen Künstlerpension gelegt. Der jahrelange, mitunter dramatische Aspekte aufweisende Streit mit den Steuerbehörden konnte durch die Bildung einer offiziellen Sachverständigenkommission wirksam entschärft werden, die nicht zuletzt dank der unablässigen Bemühungen der Berufsvereinigung zustande kam.
Und von der berechtigten Forderung ausgehend, dass der bildende Künstler als Urheber an der wirtschaftlichen Nutzung seiner geistigen und schöpferischen Leistungen durch Dritte in einem gewissen Ausmaß beteiligt sein sollte, stellte die BV mit Prof. Anselm GRAND einen maßgeblichen Proponenten für die Gründung der späteren Verwertungsgesellschaft Bildender Künstler im Jahre 1974.
So darf die Berufsvereinigung für sich in Anspruch nehmen, als namhafte Standesvertretung die Interessen der bildenden Künstler auf vielen Gebieten wahrgenommen zu haben.

Sie wird dies auch in Zukunft versuchen.